Während noch ein paar Mannschaften um Auf- und Abstieg kämpfen, ist die TG Friedberg mit Saison 2025/2026 am Ende. Eine der chaotischsten Saisons, die es seit langem im Herrenbereich gab. Nachdem vor einer Woche das letzte Mal der Ball in einem offiziellen Saisonspiel flog, hatte man nun Zeit die Geschehnisse etwas sacken zu lassen. Vielleicht wurden auch diverse Absacker zu Hilfe genommen. Zeit also die Saison Revue passieren zu lassen, bevor man sich zur Abschlussfahrt aufmacht und es zu Gedächtnislücken kommt.
Die Ausgangslage war alles andere als optimal vor der Saison. Mitte April kündigte Micha Razen an, sein Traineramt bei der TSG Münster II weiterzuführen und auch Uli Kaffenberger und Thomas „Lego“ Keck gaben das Ende ihres Amtes bekannt. Hinzu kamen einige Spieler, die ihre Karriere beenden oder zumindest pausieren wollten. So stand man also da: abgestiegen, ohne Trainer, kaum Spieler und ein neuer Vorstand mit Andreas Dickehage. Es mussten Lösungen gefunden werden, und zwar schnell.
Die erste war George und damit, retrospektiv betrachtet, die beste Lösung, die man hätte haben können. George, der eigentlich als Jugendtrainer eingeplant war, erklärte sich bereit die Herren I als Trainer zu übernehmen. Seine erste Station als Aktivencoach. Nach dem Trainer ging es an die Spieler. Es wurden mehr Gespräche geführt und Überzeugungsarbeit geleistet als im Saisonendspurt trainiert. Mit Erfolg. So konnte man z.B. Alen und Radu überreden ihr Karriereende zu verschieben und auch unsere frischen Frankfurter Luca und Peppi erklärten sich bereit die Pendelei auf sich zu nehmen. So kam man zu einer spielfähigen Mannschaft, die im Kern quasi dieselbe war, wie noch im Jahr davor. Das Ziel: Eigene Spieler fördern und irgendwie die Klasse halten.
Denn auch wenn man aus der Oberliga in die Bezirksoberliga abgestiegen und von den anderen Mannschaften als großer Favorit gehandelt wurde, war die Aufgabe eher „BOL überleben“ als Wiederaufstieg.
Und so fing es mit einer eher durchwachsenen Vorbereitung an. Nur zwei Vorbereitungsspiele konnte man aufgrund Spielermangels bestreiten. Dennoch haben hier vor allem die Engels Brüder ganze Arbeit geleistet und die paar anwesenden Spieler körperlich fit und auch ohne Trikot teilweise vorzeigbar gemacht.
Wie vorzeigbar die spielerische Leistung war, musste beim Sprung ins kalte Wasser unter Beweis gestellt werden. Doch man sprang und schwamm direkt oben auf. Die ersten drei Partien wurden gewonnen und eine gewisse Euphorie wurde in der Mannschaft breit. Doch genau so schnell wandelte sich diesein Enttäuschung, als man die nächsten drei Spiele überhaupt nicht überzeugen konnte. Vor allem die Abwehr fand sich gar nicht und so landete man schnell wieder im Tabellenmittelfeld. Wie hier Licht und Schatten nah beieinander lagen, folgten auch danach zwei Gegensätze. Erst ein überragender Heimsieg gegen den letztendlichen Meister aus Pohlheim, dann eine Niederlage in Lang-Göns bei der sich Max Beyster zum wiederholten Male schwerer am Knie verletzte. Damit war klar, dass der Shootingstar damit wahrscheinlich sein Karriereende besiegelt hatte.
Und es sollte nicht gut weitergehen, denn es folgte die schlechteste Phase der Saison. Krankheiten und erste Ermüdungserscheinungen mit Verletzungen machten den Kader klein. Der kleine Kader machte sich in Minuspunkten sichtbar und in weiteren Verletzungen. Denn auch Lucas Meniskus konnte der Überlastung nicht standhalten und riss. Somit war noch ein Rückraum ausgefallen und die Laune endgültig am Boden.
Doch Rettung kam über den Jahreswechsel mit neuen Kräften aus der 2. Mannschaft. So konnte man Sönke und Philipp als Unterstützung gewinnen, auch wenn das hieß der Zwoten ihre beiden einzigen gelernten Rückraum-Akteure zu nehmen. Hier zeigt sich, was Vereinsleben heißt und dass wir mehr als nur verschiedene Herrenmannschaften sind.
Auch konnte der eigentlich pausierende Bene nochmal für einzelne Spiele fit gemacht werden und Noah kehrte langsam wieder zurück ins spielnahe Training.
Also kam es wie gewünscht und ein breiterer Kader resultierte in nicht nur höherer Trainingsqualität, sondern auch endlich wieder in etwas Zählbaren. Aufgrund der sehr nah zusammenliegenden Liga wurde das auch langsam Zeit, denn die TG war zwischenzeitlich mitten im Abstiegskampf. Wie beim Klöße essen, ging es also eins nach dem anderen. Ein Erfolgserlebnis folgte aufs nächste – Siege, gute Trainings, bessere Eingespieltheit und auch Jugendspieler, die integriert werden konnten. Die Tabelle wurde fleißig nach oben geklettert und man fand Anschluss an die Top4 der Liga.
Was hier ganz klar half, war die Arbeit und Mentalität von George. Seine Jugo-Erfahrung konnte er über Wochen an seine Truppe weitergeben und so spielten die Friedberger vielleicht nicht den modernsten Handball, aber vor allem im Angriff einen sehr effektiven. Verschleppte Angriffe und individuelle Stärken wurden fokussiert und das zeigte Erfolg.
Nach dem 23. Spieltag war dann klar, dass man den Klassenerhalt jetzt wirklich sicher hatte. Während also gefühlt die halbe Liga sich noch im Abstiegskampf befand, konnten die Mannen der TGF den Saisonendspurt genießen und den fünften Platz festigen. Ein Platz mit dem man während der Saison nicht unbedingt rechnen konnte.
Es war das wirklich gute Ergebnis einer Mannschaft und Trainer, die sich aufgeopfert hatten, um das bestmögliche jederzeit rauszuholen. Spieler mussten zum Teil mehr Minuten spielen als in den letzten Saisons kombiniert. Es wurde Verantwortung übernommen, auch wenn das vorher noch nie der Fall war. Auch wenn der Körper nicht mehr konnte, wurde auf die Zähne gebissen und fürs Team gekämpft.
Und so wurde eine der chaotischsten Saisons zu einer der intensivsten aber auch damit eine der besondersten.
Deshalb fällt es nach eben so einer intensiven Zeit besonders schwer Teile der Mannschaft zu verabschieden. Denn nach einer Saison heißt es auch leider immer Abschied zu nehmen und sich nicht mehr mehrmals die Woche zu sehen, zusammen zu kämpfen, zu lachen und das schönste Hobby der Welt auszuüben.
Wie bereits am letzten Heimspieltag erwähnt, zieht es Karim, unseren Urlauber, sowie Till „Schnappi“ nach Gießen zum Studieren. Die beiden wollen sich dort erstmal auf Ihr Studium konzentrieren, doch falls die Lust auf Bewegung besteht, ist der Weg in die Halle eigentlich ein recht kurzer.
Einen längeren Weg hätte Noah. Diesen zieht es berufsbedingt erstmal nach Heppenheim. Aber wir hoffen auch hier, dass es den hauseigenen Heiltrank-Mixer schnellstmöglich wieder in die Seebach-Arena zieht.
Während Noah schon seit vielen Jahren für die TG aufläuft, wird uns leider auch jemand verlassen, der noch länger im Dienst war. Nach 10 Jahren hat sich Jana dazu entschieden Ihre Karriere an der Eisbox zu beenden. Unzählige Kilometer Tape, Kubikmeter an Salben und Tonnen an Traubenzucker später, müssen wir jetzt selbst schauen, wie wir uns gegenseitig verarzten und spielfähig bekommen.
Spielfähig war auch Jonas eigentlich nie, den wir jetzt in den Handball-Ruhestand gehen lassen. Während seine Hüfte bereits seit 5 Jahren in Rente ist, zieht der Rest des gefürchteten „Grätschen-Gerrys“ nun hinterher. Seit der Jugend war Johnny zwischen den Pfosten ein stabiler Rückhalt und wusste durch seinen trockenen Humor oder spontane Freudenschreie (was ihm den Namen Tourretto einbrachte) die Stimmung aufzuheitern. Er wird in allen drei Halbzeiten in der Zukunft sehr fehlen, doch auch er kennt den Weg in die Halle oder lokale Restaurants hoffentlich auch weiterhin auswendig.
Zum Schluss gilt es nochmal ein großes Dankeschön zu sagen an George. Eigentlich als schnelle Lösung angetreten, war er der perfekte Trainer für diese Saison. Er entwickelte Spieler weiter, schenkte ihnen Vertrauen und führte Spieler in neue Rollen auf der Platte. Immer mit dem richtigen taktischen Kniff parat und einer großen Portion Abgezocktheit, war er der stille Retter der Saison.
Daher freut es uns, dass er genau da weitermacht, wo die Zukunft der TG anfängt. Er wird die männliche A-Jugend übernehmen und so dafür sorgen, dass auch in den nächsten Jahren wieder Talente die Alteingesessenen ablösen.
Doch wie geht es weiter, wenn Trainer und einige Spieler nächste Saison weg sind? Das Traineramt wird Carsten Schäfer übernehmen. Der Münzenberger trainierte zuletzt den TSV Södel zwei Jahre lang und wird sich nun den ambitionierten Friedberger Spielern annehmen. An seine Seite wird Max Beyster rücken, der nun von der Bank aus das Team unterstützt. Hier ist die Verletzungsgefahr auch geringer.
Für die körperliche Fitness konnte man die Athletiktrainer der HSG Wetzlar gewinnen. Oder gewann die HSG unsere Athletiktrainer? Auf jeden Fall sorgen die Engels wieder für die Beachbodys nach der Abschlussfahrt.
Jonas Lücke im Tor wird von Niklas König geschlossen. Nach seinem kurzen Ausflug zum nächstjährigen Ligakonkurrenten Kleenheim, kehrt der Bad Nauheimer zurück zur TG. Im Rückraum wird die TG durch den Södler Sebastian Kanand verstärkt. Der großgewachsene Jungspund gilt als „Hoffnung für die Zukunft (Zitat C. Schäfer)“. Das Södler Trio wird durch Philipp „Beppo“ Brehm komplettiert. Auch er kehrt wieder zurück und wird wahlweise auf Außen oder am Kreis die Lücken bestens füllen.
Alle anderen Akteure dieser Saison machen weiter. Auch unsere Erfahrensten, was wieder für einen tollen Mix aus Alt und Jung sorgen wird.
Wo die TG dann in der BOL-Saison 26/27 stehen wird, werden wir sehen. Es ist aber klar, dass die nächste Saison weniger Achterbahnfahrt sein soll. Ein breiterer Kader, langfristige Vorbereitung und Ziele. Aber bevor wir an nächste Saison denken, danken wir erstmal jedem einzelnen Fan, jedem Zeitnehmer und Zeitnehmerin, Offiziellen und allen fleißigen Helfern, ohne die so ein großartiges Vereinsleben nicht möglich wäre!
Für die Herren I geht es nächste Woche auf Abschlussfahrt nach Malle, bevor dann ca. 6 Wochen lang die Füße hochgelegt werden. So intensiv die Saison war, so intensiv wird die Pause genutzt zu regenerieren und rehabilitieren.
In diesem Sinne: „Alle Mann ran!“ und bis nächste Saison!
Eure M1

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.